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Keramik
Die Keramikerin Chung-Wan Lee geboren 1958 in Korea, hat ein künstlerisches Studium mit dem Hauptfach Keramik in Seoul mit dem Grad Master of fine arts abgeschlossen, als sie 1988 ihre Studien an der FH Niederrhein, FB Design,in der Studienrichtung Keramik in Krefeld fortsetzt.

Haben sich ihre Bemühungen bis dahin auf eine traditionsbewußte Einstellung zur Keramik bezogen und sich in der Gestaltung frei gedrehter oder aufgebauter Gefäße bewiesen, beginnt Chung-Wan Lee in Krefeld einen radikal anderen Weg. Mit ihrer Absicht und der im Konzept der Krefelder Schule angelegten Forderung nach eigener, individueller Standort-bestimmung, setzt sie sich in der Folgezeit mit dem Problem von Körper und Raum auseinander, das in ganz spezieller Weise zum Thema ihrer gefäßhaften und freien Gestaltung wird.

Sie verbindet die Möglichkeiten der Plastik als konkret Volumen schaffendes Medium mit denen der Malerei, in der solches von der Farbe bewirkt wird. Es entstehen eckig-geometrische Gefäßformen, die einerseits tatsächlich räumlich sind, auf der anderen Seite wird Farbe - vornehmlich in verschiedenen Helligkeitsstufen -so einesetzt, das zusätzlich eine nur malerisch konkrete Plastizität und Räumlichkeit entsteht.

So irritieren diese Objekte den Betrachter mit dem Wechselspiel zwischen "wahrer" und "gemalter" Realität. Das ist nicht vordergründig als bloßes Spiel im Sinne einer Sinnestäuschung zu verstehen. Diese Arbeiten überzeugen durch die ungewohnte Verbindung von Volumen und Plastiztät im Sinne der Skulptur und demselben Phänomen im Sinne der Malerei. Zusätzlich wird die optische Erscheinung der Perspektive eingesetzt. Bei ihren freien plastischen Objekten erhalten Kanten und Linien der Körper gleichzeitig eine weitere Funktion:aus bestimmten Blickwinkeln werden sie zu Linien einer Perspektive, die dem plastischen Körper eine erweiterte Dimension des Räumlichen geben.

Konsequent setzt Chun-Wan Lee diesen Gedankengang in ihren großen "Bodenvasen" fort, formal an historische Vasenformen anknüpfende Gestaltungen, bei denen der Gefäßkörper wie in senkrechte Schnitte zerlegt erscheint, die dann - gegeneinander verschoben - die Form in verschiedenen Ebenen des Raumes aufzeigen. Dabei entsteht optisch der Eindruck einer plastischen Vasenform mit der dahinter erscheinenden, kongruenten Form eines "Schattenwurfes" in realer, flächiger Plastizität. Hier wird das malerische Thema des Schattens zu realen plastischen Form verändert. Die Farbigkeiten, überzeugend vor allem im Hell-Dunkel-Kontrast, verstärken und bestätigen diese Erscheinung in optisch überzeugender Weise.

Eine dritte Phase erreicht Chung-Wan Lee in ihren neuesten Arbeiten, bei denen sie positives und negatives Volumen der Gefäßformen austauscht. Durch entsprchenden Einsatz der Fabe entsteht für den Betrachter eine Identität zwischen konkaver und konvexer Wölbung. Dies wird um so deutlicher, als die Formen selbst bekannte, traditinelle Vasenformen sind, die den Betrachter vonkeinerlei Schwierigkeiten stellen.

Worin liegt der Sinn solcher Gestaltungen, wenn man ausschließt, daß es sich um lediglich vergnügliches Hinters-Licht-Führen des Betrachters handelt? Wenn man bedenkt, daß die optische Erfassung von Volumen und Raum eine wesentliche Funktion der visuellen Information für djeden Menschen ist, versteht man den eigentlichen Ansatz, das dahinterstehende Konzept, das Chung-Wan Lee im Verlaufe ihrer Arbeit selbt als Erfahrung gewinnt: In der Malerei wird Realität als farbige Erscheinung umgesetzt, möglich bis zu einem Grade der Verwechslung. Die Malerei des sogenannten Foto- Ralismus belegt dies überzeugend. Es entsteht die Doppeldeutigkeit zweier Wirklichkeiten, die sich zum Austauschen ähnlich sind. Gleichzeitg wird das indifferente, der Zweifel andem deutlich , was wir vordergründig und vorschnell als Realität bezeichnen.

Chung-Wan Lee`s Arbeiten sind im Grunde zur Vorsicht mahnende Seh-Beispiele von Bild und Abbild in überzeugendem Wechsel von einer Realität zur anderen.

DIETER CRUMBIEGEL
Professor im FB Design, Studienrichtung Keramik-Design, der FH Niederrhein in Krefeld












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